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Christian Lindner Zensiert


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Ursprünglich veröffentlicht auf: http://www.wiwo.de/politik/deutschland/wikipedia-manipulation-der-perfekte-internet-lebenslauf-fuer-lindner/7586100.html

Dann aber von dem Anti Liberalen Politiker Christian Lindner zensiert. Deswegen hier erneut veröffentlicht.

Der perfekte Internet-Lebenslauf für Lindner


Manchen gilt Christian Lindner als größte Nachwuchshoffnung der FDP, anderen als Hobbyphilosoph mit dem Hang zum Belehren und wieder anderen bloß als taktisch versierter Machtmensch. Auf jeden Fall ist er ein Politiker, der in seinen 34 Lebensjahren schon erstaunlich viel auf die Beine gestellt hat. Er hat drei Unternehmen gegründet, zog als jüngster Abgeordnete in den NRW-Landtag ein und könnte wohl schon in wenigen Wochen FDP-Chef sein, wenn er es denn wollte. Doch nicht alles an diesem Leben auf der Überholspur scheint Lindner rückblickend so gut zu gefallen. Recherchen der WirtschaftsWoche zeigen, dass Lindner oder sein Umfeld die machtpolitische Verschnaufpause im NRW-Landtag offenbar auch dazu nutzt, die Deutungshoheit über die Biografie des Liberalen zu erreichen.
 
Ende November wendet sich der Pressesprecher der NRW-FDP an die WirtschaftsWoche. „Außergewöhnliches Anliegen“ – schon der Betreff der E-Mail lässt einiges erwarten. Doch auf den ersten Blick ist es vor allem ein ziemlich nebensächliches Anliegen, das ihn da umtreibt. So war im Handelsblatt Verlag vor rund drei Jahren ein Porträt von Christian Lindner zu lesen, in dem es auch um dessen berufliche Vergangenheit ging.
 
Mit der Moomax GmbH wollte Lindner 2000 animierte digitale Persönlichkeiten, sogenannte Avatare, als Instrument zur Kundenkommunikation für den Internet-Handel verkaufen. Die Idee scheiterte, am Ende waren 1,4 Millionen Euro KfW-Fördergelder futsch. Nicht gerade ein Ruhmesblatt. In dem Porträt hieß es, Lindner habe die Idee dafür aus Science-Fiction-Büchern bezogen. Das aber sei falsch, bemerkte der Sprecher. Man möge den Artikel doch bitte nachträglich entsprechend korrigieren. Das Problem: Seinerzeit hatte es keinerlei Einwände gegen den Text gegeben. Schließlich enthüllt der Sprecher die tatsächlichen Motive: In Lindners Wikipedia-Eintrag wird auf den Text Bezug genommen, und solange die Quelle nicht verschwunden ist, lassen die Wikipedianer eine Veränderung des Eintrages nicht zu.
 
40 Änderungen von einer Adresse
 
Für sich genommen wäre der Vorfall eine Petitesse, hätte sie sich bei genauerem Hinsehen nicht als Verhaltensmuster erwiesen. So ist der Wikipedia-Eintrag von Christian Lindner in diesem Jahr einer der am häufigsten geänderten Artikel aller aktiven deutschen Politiker. Rund 500 Mal wurde er im vergangenen Jahr geändert. Der Eintrag über NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft kommt zwar auf die gleiche Anzahl von Änderungen, das aber im Verlauf von acht Jahren. Das Pikante daran: Ein bedeutender Teil der Beiträge scheint aus Lindners Umfeld selbst zu stammen.
 
Zu den eifrigsten Schreibern zählt die IP-Adresse mit dem nicht gerade einprägsamen, aber unverwechselbaren Namen 93.184.129.133. Im Sommer 2012 wurden von dieser Adresse aus mehr als 40 Änderungen vorgenommen. Ein misstrauischer Wikipedia-Autor mutmaßt im Diskussionsteil zum Artikel, ob dahinter wohl ein Lindner-Mitarbeiter stecke.
 
Er könnte recht haben, denn die Adresse lässt sich dem Düsseldorfer Landtag zuordnen. Und damit nicht genug: Im Herbst 2011, Lindner war noch Generalsekretär der Partei in Berlin, beteiligten sich sieben verschiedene Nutzer in mehr als 20 Beiträgen am Artikel, sie alle entstammen dem technischen Kosmos der Bundestagsverwaltung. Ein Sprecher Lindners mag darin kein Fehlverhalten erkennen: „Wenn es sachlich falsche Tatsachendarstellungen gibt, senden wir Korrekturvorschläge an Wikipedia.“ Dass es in den Einträgen selten um die Wahrheit, sondern meist um die Deutung derselben geht, kommentiert er nicht. Er verweist zudem auf einen einzelnen Eintrag, in dem sich Christian Lindner mit Klarnamen zu erkennen gegeben hatte, dies belege, dass Lindner „der direkte Austausch mit Bürgern und Bürgerinnen wichtig ist“.
 
"Artikel aus technischen Gründen offline"
 
Und auch der Redaktionskontakt hat offenbar Methode: Ein Artikel des „Tagesspiegel“ aus dem Jahr 2004 mit dem Titel „Pleite mit der Firma – Glück in der Partei“, in dem es um Lindners unternehmerisches Scheitern geht, dient lange als Quelle in der Biografie. Im März 2012 aber ist er plötzlich verschwunden, wundert sich ein Wikipedia-Schreiber. Der Autor vom „Tagesspiegel“ erinnert sich, dass Lindners Mitarbeiter mitten im NRW-Wahlkampf bei ihm interveniert hatte, um den Artikel löschen zu lassen. Er habe sich darauf nicht eingelassen. Verschwunden ist der Artikel trotzdem, bei Wikipedia taucht er als Quelle nicht mehr auf. Beim Tagesspiegel heißt es zunächst, der Text sei „aus technischen Gründen“ offline, wenig später ist er wieder da.
 
All das ist kein Verbrechen, aber irgendwie bedenklich ist es schon. Denn die Geschehnisse werfen ein Schlaglicht auf einen Graubereich zwischen Imagepflege und Manipulation, der in der digitalen Welt erst möglich geworden ist und mit dem wir bis heute nicht richtig umzugehen gelernt haben. Auf der einen Seite ist es nachvollziehbar, dass einer eingreifen will, der sich im Internet verunglimpft fühlt. Bloß inwieweit verändert er damit den Charakter der Quelle selbst? Studiert man die Wikipedia-Einträge, die vermutlich aus dem Lindner-Umfeld stammen, so zeigt sich: Selten geht es darum, relevante Fakten hinzuzufügen, stattdessen wird die Deutung von Ereignissen verschoben. Einmal fügt die Landtags-IP den Satz hinzu: „Hans-Dietrich Genscher sagte, Lindner sei es ,gegeben, in die Fußstapfen von Karl-Hermann Flach zu treten‘. “ Ein anderes Mal wird ein Zusatz gelöscht, in dem es über eine Aussage Lindners heißt, sie sei „quer durch alle Parteien auf Ablehnung gestoßen“.
 
Der letztendliche Wikipedia-Artikel ist dann aus beiderlei Sicht unbefriedigend. Lindners anonyme Unterstützer stellen ihre Aktionen umgehend ein, nachdem ein Wikipedia-Benutzer ihre Herkunft in die Nähe des Landtags rückt. Die plumperen Versuche, biografische Details sprachlich aufzuhübschen, fliegen sofort aus der Biografie heraus. Eines jedoch kann die effiziente Selbstkontrolle des Lexikon-Netzwerks nicht verhindern: dass sich der Artikel zunehmend aufbläht. Denn anders als in klassischen Lexika gibt es bei Wikipedia keine echte Relevanzkontrolle für Inhalte. Was drin ist, wird genau so groß, wie die Fans eines Themas es für richtig halten. So umfasst die Biografie des 34-jährigen FDP-Landesvorsitzenden bereits acht gedruckte Seiten – der SPD-Bundesvorsitzende Sigmar Gabriel, 53, kommt auf gerade einmal vier Seiten.
 
Er könnte recht haben, denn die Adresse lässt sich dem Düsseldorfer Landtag zuordnen. Und damit nicht genug: Im Herbst 2011, Lindner war noch Generalsekretär der Partei in Berlin, beteiligten sich sieben verschiedene Nutzer in mehr als 20 Beiträgen am Artikel, sie alle entstammen dem technischen Kosmos der Bundestagsverwaltung. Ein Sprecher Lindners mag darin kein Fehlverhalten erkennen: „Wenn es sachlich falsche Tatsachendarstellungen gibt, senden wir Korrekturvorschläge an Wikipedia.“ Dass es in den Einträgen selten um die Wahrheit, sondern meist um die Deutung derselben geht, kommentiert er nicht. Er verweist zudem auf einen einzelnen Eintrag, in dem sich Christian Lindner mit Klarnamen zu erkennen gegeben hatte, dies belege, dass Lindner „der direkte Austausch mit Bürgern und Bürgerinnen wichtig ist“.
 
"Artikel aus technischen Gründen offline"
 
Und auch der Redaktionskontakt hat offenbar Methode: Ein Artikel des „Tagesspiegel“ aus dem Jahr 2004 mit dem Titel „Pleite mit der Firma – Glück in der Partei“, in dem es um Lindners unternehmerisches Scheitern geht, dient lange als Quelle in der Biografie. Im März 2012 aber ist er plötzlich verschwunden, wundert sich ein Wikipedia-Schreiber. Der Autor vom „Tagesspiegel“ erinnert sich, dass Lindners Mitarbeiter mitten im NRW-Wahlkampf bei ihm interveniert hatte, um den Artikel löschen zu lassen. Er habe sich darauf nicht eingelassen. Verschwunden ist der Artikel trotzdem, bei Wikipedia taucht er als Quelle nicht mehr auf. Beim Tagesspiegel heißt es zunächst, der Text sei „aus technischen Gründen“ offline, wenig später ist er wieder da.
 
All das ist kein Verbrechen, aber irgendwie bedenklich ist es schon. Denn die Geschehnisse werfen ein Schlaglicht auf einen Graubereich zwischen Imagepflege und Manipulation, der in der digitalen Welt erst möglich geworden ist und mit dem wir bis heute nicht richtig umzugehen gelernt haben. Auf der einen Seite ist es nachvollziehbar, dass einer eingreifen will, der sich im Internet verunglimpft fühlt. Bloß inwieweit verändert er damit den Charakter der Quelle selbst? Studiert man die Wikipedia-Einträge, die vermutlich aus dem Lindner-Umfeld stammen, so zeigt sich: Selten geht es darum, relevante Fakten hinzuzufügen, stattdessen wird die Deutung von Ereignissen verschoben. Einmal fügt die Landtags-IP den Satz hinzu: „Hans-Dietrich Genscher sagte, Lindner sei es ,gegeben, in die Fußstapfen von Karl-Hermann Flach zu treten‘. “ Ein anderes Mal wird ein Zusatz gelöscht, in dem es über eine Aussage Lindners heißt, sie sei „quer durch alle Parteien auf Ablehnung gestoßen“.
 
Der letztendliche Wikipedia-Artikel ist dann aus beiderlei Sicht unbefriedigend. Lindners anonyme Unterstützer stellen ihre Aktionen umgehend ein, nachdem ein Wikipedia-Benutzer ihre Herkunft in die Nähe des Landtags rückt. Die plumperen Versuche, biografische Details sprachlich aufzuhübschen, fliegen sofort aus der Biografie heraus. Eines jedoch kann die effiziente Selbstkontrolle des Lexikon-Netzwerks nicht verhindern: dass sich der Artikel zunehmend aufbläht. Denn anders als in klassischen Lexika gibt es bei Wikipedia keine echte Relevanzkontrolle für Inhalte. Was drin ist, wird genau so groß, wie die Fans eines Themas es für richtig halten. So umfasst die Biografie des 34-jährigen FDP-Landesvorsitzenden bereits acht gedruckte Seiten – der SPD-Bundesvorsitzende Sigmar Gabriel, 53, kommt auf gerade einmal vier Seiten.


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